4. Ostersonntag

Vom Hirten zum Schaf und vom Schaf zum Hirten

Es ist wieder einmal guter Hirtesonntag und damit fallen mir immer wieder diese zuckersüßen "guter Hirte-Bilder" ein, die es in so vielen Kirchen gibt. Aber mit diesen Bildern hat das heutige Evangelium überhaupt nichts zu tun. "Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe. ", so sagt Jesus. Und somit ist es ganz schnell aus mit der Romantik. Nein, unser Herr ist nicht der, der einem fast schon selbst wie ein Schaf verträumt entgegen schaut, mit einem Lamm auf den Schultern. Hirte sein heißt, in die Bresche springen, wenn es für die Schafe gefährlich wird, hart sein mit den Schafen, wenn sie ausbüchsen wollen, sich zwischen Dieb und Herde stellen, wenn es um Leben und Tod geht. Hirte sein heißt, jedes einzelne Schaf beim Namen kennen, es pflegen, sich um es kümmern, sich mit ihm vertraut machen, sodass es Vertrauen hat zu seinem Herrn. Kurz gesagt, sich für seine Schafe hingeben und wenn es sein muss, auch noch sich selbst geben. So sieht unser Herr den guten Hirten, und dass Er damit ernst gemacht hat, haben wir erst vor vier Wochen in der Karwoche gefeiert. Der Herr ist dabei selbst zum Lamm geworden, dass sich zur Schlachtbank hat führen lassen. Nicht aber, um dann einfach zu Grunde zu gehen, sondern um im Tod wieder zum Hirte zu werden und um die verlorene Herde aus der Schlucht des Todes auf die grüne Weide des Lebens zu führen.

Wir sind also die Schafe des Herrn und dabei sollen wir nicht nur einfach hinter IHM her laufen und ein wenig komisch schauen, sondern wir sollen von unserem Herrn lernen, was es heißt zu seiner Herde zu gehören. Zur Herde des Herrn zu gehören heißt dabei selbst zum guten Hirten für die anderen Schafe zu werden. Sich für die anderen einzusetzen, sich für sie hinzugeben, sie zu ermahnen, wenn es Not tut und andere Schafe, die den Herrn nicht kennen, zu ihm zu führen. Ja, wir sind Schafe des Herrn und doch sollen wir auch selbst zu Hirten werden, sollen den Geruch des Hirten annehmen, sollen wie er werden, eins mit ihm werden. "Ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich."

Gehen wir also dem Herrn hinterher, damit wir selbst vom Schaf zum Hirten für andere werden. Gehen wir in die Lebensschule des Herrn, in dem wir uns von ihm führen lassen, auf seine Stimme hören und auf seine Finger schauen. Er möchte uns selbst zu Hirten machen, damit seine Weide immer größer wird und sich alle einmal auf der ewig grünen Weide wiederfinden.