Marko Ivan Rubnik

Centro Aletti, Rom


Authentisch -

mit Haut und Haar

Ja, Ostern liegt gefühlt vielleicht schon wieder einige Tage zurück und nicht nur, dass uns heute am 3. Ostersonntag ein Evangelium begegnet, das wir schon aus der Osteroktav kennen, sondern hinzu kommt noch, dass wir wieder - wie am letzten Sonntag, Jesu Wunden begegnen. Jesus lädt uns aber heute ein, noch tiefer zu gehen. Und vielleicht geht es dem einen oder anderen so, dass Ostern, die erfahrene Osterfreude oder auch der ein oder andere Zweifel und Fragen vom Alltag schon etwas verdrängt wurden.

Warum? Das ist die große Frage, wenn Leid und Unverständnis, Tod und Krankheit, Absurdität und Kriegspläne plötzlich zum Alltag gehören. Kein Geist hat Fleisch und Knochen - "Haut und Haar"! Nein hier geht es um eine absolute Realität! Konkret und unumgänglich. Genau in diesem Dunkel menschlicher Ohnmacht, in den kleinen und großen Momenten, in denen der Boden unter unseren Füßen zu wanken beginnt, sind wir eingeladen, so wie auf dem Mosaikbild - ein Steinchen neben einen anderen Stein zu legen. Mit diesem Gott ins Gespräch zu kommen, so wie uns das Leben zusetzt - IHM alles vor- die Füße -zu-werfen, was uns wie ein Stein auf dem Herzen liegt. Allein aus dieser Begegnung wächst uns das Leben entgegen, trägt der Boden unter den Füßen wieder, und wird unser Glaube ganz menschlich authentisch.

ABER, glaubt

- ja: wir sind und können einander Zeugen sein - jeder und jede für jeden und jede -

es gibt sie, die goldenen Mosaiksteinchen, die in unserem Jesusbild - im Kennenlernen seines Lebens und seines Blickes, seiner Worte und seiner Liebe - wie goldene Fäden fest in die Masse gedrückt werden, die das Mosaik zusammenhalten und leuchtende Strahlkraft haben.

Das sind die Momente, in denen wir etwas von dem MEHR und der Größe der Liebe Gottes ahnen. So kommt ER in unseren Alltag und zeigt uns plötzlich im Dunkel und Mattgrauen - das strahlende weiß und das leuchtende rot. Das Rot steht in den Mosaiken von Rubnik für das Göttliche - das Blut Christi, die Wunden. Die durchlebte und durchlittene Liebe spricht aus dem Rot. Das Gold strahlt aus. Es ist das pure Leben, das eines Tages aus allen Wunden herausbricht.

Ist es nicht das, was die Jünger zweifeln lässt, was sie am Glauben hindert, die Angst, wie das alles enden wird? Ist es nicht das, was auch uns im Tiefsten drängt und manches Mal ängsigt, die Frage, wie alles enden wird? Ja und eines sagt Christus uns heute: Friede sei mit Euch! Eines ist sicher, es wird gut enden! Mit Ihm ist es GUT. Auch wenn wir nicht wissen, nachdem wir die ersten Mosaiksteinchen zusammengelegt haben, wie der Gesichtsausdruck aussehen wird... MIT Ihm und durch Ihn und in Ihm, wird es strahlen. Eine Aufnahme aus der Mosaikweerkstatt lässt es erahnen...

Auf diesem Osterweg des Lebens - wächst Tag für Tag unser eigenes Lebensmosaik... und nur so werden wir selbst zu Zeugen, die immer wieder aus der Dynamik der Umkehr - vom Dunkel zum Licht, vom Zweifel zum authentischen Glauben, vom Tod zum Leben geführt - leben.

Friede sei mit Euch! - Ich bin in eurer Mitte - Ich bin es selbst - es ist so schwer zu glauben - aber wahr!

Denn nur ein lebendiger Mensch kann essen!

Halten wir Ausschau in dieser Woche - welche Lebensfarben uns im Alltag begegnen - welche Mosaiksteinchen unseren Alltagsweg "pflastern". In jedem Steinchen ist ein Teil SEINES Bildes enthalten. SEINE Wunden sind nicht gepflastert, sie sind offen - um sie wie in der letzten Woche zu berühren: Ich bin es selbst!