lectio

Pfingstsonntag

20. Mai | Joh 20, 19-23

Komm herab, o Heil‘ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not,

in der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.

Pfingstsequenz

Be-gabt!

Unser Glaube ist schon genial... Der Vater sendet seinen Sohn, gibt damit sich, seine Beziehung, seine Liebe preis. All das, weil die Liebe so übergroß ist und nie bei sich allein stehen bleiben kann. Diese überströmende Liebe ist der Heilige Geist. Die Worte des heutigen Pfingstevangeliums zeigen uns noch einmal, dass Ostern und die Gabe des Geistes zusammengehören. Johannes legt die Geistgabe an den Ostermorgen. So waren die Jünger nicht nur vom Leben überrascht, sondern auch von der Liebe, dem Frieden und der Freude.

Das Empfangen des Geistes am Ostermorgen - so wie heute ist der Höhepunkt! Wer den Geist empfängt, empfängt IHN selbst. Eine größere Gottesgabe können wir hier nicht empfangen. Reich beschenkt - möge der Heilige Geist uns helfen ihn selbst immer innerlicher kennenzulernen... wir sind be-gabt!

Heiliger Geist, du Gabe, die alle Gaben übersteigt,

Heiliger Geist, vollkommene Einheit aller geschaffenen Dinge,

Heiliger Geist, du wahre Quelle des Lebens,

Heiliger Geist, du Kraft, die Himmel und Erde regiert.

Heiliger Geist, du Atem, der Leben schenkt in Fülle,

Heiliger Geist, in dem wir voll Vertrauen zum Vater beten,

Heiliger Geist, du Gabe des auferstandenen Herrn,

Heiliger Geist, du Verheißung des ewigen Lebens.

Hymnus Akathistos zum Heiligen Geist


Aus dem Evangelium nach Johannes

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

Das Pfingstfeuer

Sieben mal sieben Tage waren seit der Auferstehung vergangen, und als nun am fünfzigsten Tag „die Jünger zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, versammelt waren, da erhob sich plötzlich vom Himmel her ein Brausen, als käme ein heftiger Wind (spiritus) auf.“ Er kam herab auf eine Schar von hundertzwanzig Menschen und erschien „in feurigen Zungen“ (vgl. Apg 1,1-4); denn er sollte dem Mund das Wort, dem Verstand das Licht und dem Herzen die Glut verleihen. „Alle wurden erfüllt vom Heiligen Geist und begannen in verschiedenen Sprachen zu reden“, so wie es ihnen der Antrieb dieses Geistes eingab.

Er lehrte sie alle Wahrheit, entzündete in ihnen alle Liebe und festigte sie in aller Tugend. Sie waren gering an Zahl, und sie waren einfache, ungebildete Menschen - und doch waren sie es, die mit der Glut ihrer Worte, der Vollkommenheit ihres Vorbilds und mit Wundertaten in der ganzen Welt „die Kirche mit ihrem Blut einpflanzten“; denn sie hatten die Hilfe Seiner Gnade, waren erleuchtet von Seiner Belehrung, gestärkt von Seiner Macht.

Die Kirche aber, durch die Kraft des Heiligen Geistes gereinigt, erleuchtet und vollkommen gemacht, wird dadurch ihrem Bräutigam und seinen Begleitern (vgl. Joh 3,29) liebenswert; denn sie ist über die Maßen schön und staunenswert vielfältig geschmückt. Dem Satan aber und seinen Engeln ist sie schrecklich wie ein zum Kampf aufgestelltes Heer (Hld 6,3).

Aus einer Schrift des Hl. Bonaventura (1221-1274)