lectio

Freitag der Osteroktav

6. April | Joh 21,1-14

Sinnkrise würde man heute wohl sagen oder Lebensziel verfehlt.

Die Jünger, die für den Herrn ihr ganzes vorheriges Leben hinter sich gelassen hatten, kehren nach den Ereignissen von Karfreitag wieder entmutigt in ihren Alltag zurück. ER, für den sie sich ganz hingeben hatten, endet als Verbrecher am Kreuz und sie stehen nun vor einem Scherbenhaufen. Die Folge ist, dass sie sich in ihr altes Leben flüchten und so tun, als wäre nichts geschehen. Und doch... ihr Leben erscheint irgendwie sinnlos. Der Text drückt es dadurch aus, dass sie die ganze Nacht nichts gefangen haben. Auch in unserem Leben haben wir oft das Gefühl im Trüben zu fischen, haben das Gefühl, das die Netze leer sind. Was tun? Man macht und macht und macht und doch steht man oft mit leeren Händen da und das in den verschiedensten Lebensbereichen wie Ehe, Familie, Beruf...

In unserem heutigen Evangelium gibt es eine Kehrtwende in dem Moment, als die Jünger den auferstandenen Herrn erkennen. Es ist, als hätte man den Schalter umgelegt. Von der Trübsal zur Freude, von den leeren Netzten hin zur Fülle an gefangenen Fischen. Ihr Leben, ihr Tun erscheint wieder sinnvoll, da sie den entdecken, dem sie ihr ganzes Leben gegeben hatten. Ihr Leben hat wieder eine Ausrichtung, da DER wieder lebt, der sie gesendet hatte. Wir können hier erkennen: Die Berufung der Jünger hat nur einen Sinn, wenn sie an den Glauben, der sie gerufen, gesandt hat.

Wenn wir selbst immer wieder mit Blick auf unser Leben ins Zweifeln kommen, so können wir uns fragen, ob wir immer noch an den Ruf glauben, den der Herrn uns gegeben hat. Können wir uns fragen, ob wir immer noch an den Glauben, der uns in dieses Leben gerufen hat, der uns zu einem ganz bestimmten Leben berufen hat.


Auferstandener Herr,

Du bist den Jüngern am Ufer ihres Lebens erschienen,

um sie von neuem im Glauben an Dich und ihre Sendung zu stärken.

Stärke auch uns im glauben an Dich und unseren (Lebens)-Ruf,

damit wir zur Fülle werden für Dich und die Menschen um uns herum.

Amen!

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Aus dem Evangelium nach Johannes

1In jener Zeit offenbarte Jesus sich den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

2Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen.

3Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

4Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es.

7Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See.

8Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot - sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen - und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.

9Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot.

10Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.

11Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.

12Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

13Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.

14Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war.

Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

„Als es Morgen wurde, kam Jesus ans Ufer“, vor allem deshalb, weil er seine Kirche wieder im Glauben festigen wollte. Er hatte ja gesehen, dass seine Jünger Glauben und Kraft verloren hatten... Petrus hatte ihn verleugnet, und Thomas hatte gezweifelt. Darum spricht er mit ihnen nicht wie mit tapferen Soldaten, sondern wie mit verängstigten Kindern... „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ So ruft sie sein Auftreten als Mensch zurück zur Gnade, das Brot zum Vertrauen, die Speise zum Glauben. Sie würden nicht wirklich an seine leibliche Auferstehung glauben, wenn sie nicht sähen, dass auch er sich den Bedürfnissen des Lebens aussetzt und eben isst. Deshalb verlangt er, der die Fülle alles Guten ist, zu essen. Er isst das Brot, weil er Hunger hat – nicht nach Essbarem, sondern nach der Liebe der Seinen: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ Sie antworten: „Nein!“ Was hatten sie auch, sie, die Christus nicht hatten, obgleich er mitten unter ihnen war? Sie, die den Herrn nicht sahen, obgleich er vor ihnen erschienen war? „Er sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“

Heiligen Petrus Chrysologus, Bischof und Kirchenlehrer im 5. Jahrhundert