lectio

Christi - Himmelfahrt

10. Mai | Mk 16,15-20

Himmelfahrt - Jetzt geht es erst richtig los!

Man kann sich regelrecht vorstellen, wie die Jünger dem Herrn, der in den Himmel hinaufgefahren ist, immer noch nachblicken, wie ihr Herz sich zusammenzieht und mit welch schwerem Herzen sie IHN nun gehen lassen. Ja, ein wenig Trauer ist verständlich, das ständige Erinnern an das, was geschehen ist, nachvollziehbar. Doch sie dürfen da nicht stehen bleiben, nicht in ihrer Trauer, nicht in ihrem ständigem Grübeln, nicht in den Erinnerungen. Und so werden sie auch in der Apostelgeschichte, am Ende der Himmelfahrt, von zwei Männern in weißen Gewändern ermahnt: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen (Apg 1,11)." Sie hätten auch sagen können: "Lasst den irdischen Jesus los und übernehmt jetzt die Verantwortung, die der Herr euch gegeben hat, nämlich, sein Evangelium zu verkünden, Kranke zu heilen, Dämonen auszutreiben." Da kann man sich auch vorstellen, dass sie einfach nur ungläubig ihm hinter her geschaut haben. "Was, wir sollen nun sein Werk weiterführen? Was, wir sollen das Heil den Menschen verkünden und an ihnen Handeln, wie es der Herr an ihnen schon getan hat? Ist dies nicht ein wenig zu viel verlangt?" Da kann man es auch mit der Angst zu tun bekommen.

Aber bitte einmal Hand aufs Herz. Warum hat der Herr Jünger ausgebildet? Sie mit genommen auf seinem Weg durch Galiläa, ihnen gepredigt und immer bei sich gehabt? Ja, das öffentliche Wirken Jesu war zum einen die Offenbarung Gottes und seines Heils , aber doch auch zugleich, das Scharen von Menschen um sich herum, die an ihn glauben und sein Werk und Evangelium weiterführen und verkündigen. Und nun ist es also so weit. "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!"

Liebe Weggefährten,

dieser Auftrag ist auch an uns gerichtet. Dieser Auftrag galt nicht nur den Jüngern damals vor 2000 Jahren, sondern auch uns, jetzt, an diesem Tag. Indem wir die Himmelfahrt des Herrn feiern und das Evangelium dieses Ereignisses hören, spricht der Herr zugleich auch zu uns, spricht der Herr durch das Evangelium zu uns. "Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!" Dieser Auftrag ist nicht zu Ende, sondern muss immer wieder neu verwirklicht werden und zwar durch uns, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, unter unseren Freunden, auf der Straße und in den Kneipen. Einfach überall. Jetzt sollen wir natürlich nicht lärmend und singend durch die Straßen ziehen und unsere Freunde und Arbeitskollegen bekehren. Das nicht, aber wir können durch unser Leben Jesus verkünden, können unser Leben immer mehr auf sein Wort hin ausrichten und uns von ihm prägen lassen. Tun wir dies, werden die Menschen uns automatisch ansprechen, uns fragen, warum wir gerade so handeln und nicht anders, warum wir gerade für diese Überzeugung einstehen und nicht für eine andere. Mission durch unser Leben, Mission durch unsere Hingabe an den Herrn. Nicht lärmend, sondern liebend, nicht aggressiv, sondern durch einen offenen Blick auf die Menschen.

In den Tagen nach Christi Himmelfahrt stimmt die Kirche das "veni creator spiritu" an, das Lied zum Heiligen Geist. Auch wir wollen dies in den kommenden neun Tagen bis Pfingsten tun, denn wir haben seinen Geist wirklich nötig. Nötig, um auf sein Wort zu hören, nötig, um sein Wort zu verstehen, nötig, um ihn im Alltag zu erkennen, nötig, um in den Dunkelheiten unseres Lebens an ihm fest zu halten, nötig, um ihn durch unser Leben zu verkünden, nötig, um uns von ihm im Glauben führen und stärken zu lassen. Der Herr weiß um die Größe seines Auftrages, weiß, um unsere Begrenztheit. Deswegen wird er uns seinen Geist senden.

Wenn wir in den kommenden Tagen also den Herrn in besonderer Weise um den Heiligen Geist bitten, können wir auch zugleich überlegen, wofür wir den Heiligen Geist benötigen. Er ist es, der uns in all unseren Nöten beisteht, in all unseren Trockenheiten im Glauben erfrischt, uns in all unseren Sorgen Kraft und Ausdauer gibt, uns in unseren Fragen des Glaubens hilft, Antworten zu finden. Im Heiligen Geist ist der Herr beständig bei uns, wohnt er in unserem Herzen. Fragen wir uns also, wofür wir den Schöpfergeist benötigen, um so mit einem noch brennenderem Herzen, einer noch tieferen Sehnsucht zu rufen:

"KOMM HEILIGER GEIST!"

Aus dem Evangelium nach Markus

15Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!

16Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

17Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden;

18wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.

19Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.

20Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ.


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

Gott, du vollendest deinen Heilsplan für uns

und vereinst das Irdische mit dem Himmlischen.

In Herrlichkeit wurdest du erhöht ..., doch keineswegs trennst du dich,

nein, vielmehr verharrend rufst du denen, die dich lieben, zu:

Ich bin mit euch und niemand ist gegen euch!

Auf dem Ölberg hast du deine Jünger gesegnet und wurdest in die Himmel emporgehoben;

Herr, nachdem du ihnen deine Lehre verkündet und ihnen zugerufen hattest:

Ich trenne mich nicht von euch, ich bin mit euch und niemand ist gegen euch! ...

Als der Heiland die Apostel vernahm und den Schmerz derer sah, die ihn liebten,

da nahm er sich ihrer an wie der Vater seiner Söhne (und) erbarmend rief er ihnen zu:

Weint nicht, meine Lieben! Jetzt ist nicht die Zeit der Tränen,

kein Tag des Klagens ist heute! Dies ist die Stunde der Freude,

denn zu meinem Vater schwinge ich meine Flügel empor und in meinem Zelt raste ich.

Zu meinem Zelt habe ich das Firmament des Himmels gemacht,

zu einem Zelt, das mich nicht eingrenzt, sondern umhüllt,

so wie Jesaja ruft: Als ein Gewölbe errichtete sich Gott den Himmel,

und wie ein Zelt bewohnt er ihn, er, der zu den Seinen spricht:

Ich trenne mich nicht von euch, ich bin mit euch und niemand ist gegen euch!

So werdet nun sogleich froh und heiter;

lasst euer Antlitz vor Freude erstrahlen und singet ein neues Lied!

Alles nämlich, was immer geschieht, geschieht um euretwillen:

Euretwegen stieg ich herab, bin wegen aller gekommen,

euch zu Gefallen, dass ihr mich aufnehmt.

Euretwegen steige ich in den Himmel auf, um euch den Ort wohl zu bereiten,

an dem ich mit euch zusammen sein soll.

Aus einem Hymnus des Hl. Romanos dem Meloden, im 6. Jahrhundert