lectio

9. Tag der Pfingstnovene

19. Mai | Joh 21, 20-25

Stärke uns, du heiliger Geist,

denn du bist unsere Kraft, wenn wir müde sind.

Du hilfst uns, in schweren Zeiten unseren Weg zu gehen.


Tröste uns, du heiliger Geist,

wenn Ängste vor Krankheit und Tod uns heimsuchen.

Du bist das offene Tor zwischen Himmel und Erde

und wirst uns heimführen in die Weite des Himmels.


Komm, du heiliger Geist, und bleibe bei uns.

Du begleitest uns auf dem gemeinsamen Weg zum Vater.

Amen.

- von Martin Thurner -

DU aber, ...

Jesus ruft nicht nur einmal, ihm zu folgen.

Man könnte sich einmal hinsetzen und die Seiten des Evangeliums durchblättern... und zählen, wie oft Jesus zu Petrus sagt, folge mir nach!

Jesus ruft heraus - aus der ganz konkreten Umgebung des Alltags, der Arbeit als Fischer, der Familie.

Jesus ruft hinein - in seine Freundschaft, in seine Nähe, in sein Reich - eine Welt, in der ein anderer das Sagen hat... Gott, sein Vater.

Und wenn wir nun dieses letzte 'Folge mir!' Jesu Christi zu Simon Petrus hören, dann ist eine ganze Menge zwischen der ersten Berufung und der letzten geschehen. Es ist ein Zeichen, dass Gott nie locker lässt, dass ER ein Herz für alle Windungen und Wendungen des menschlichen Lebensweges hat, dass er vergibt und Neuanfänge möglich macht.

Aber auch, dass die Richtung IMMER bleibt - IHM nach, hin zum Vater. UND:

Dass das Verhältnis Jesu zu einem Jeden so einzig ist. In jeder originalen Beziehung Jesu zu den Menschen geschieht etwas, lebt die Liebe auf, brennt das Feuer des Geistes, das einen jeden zum Zeugen der Gottesliebe macht.

"Mein Vater ist noch immer am Werk und auch ich bin am Werk." (Joh 5,17) Wo Gott schöpferisch am Werkt ist, da ist Leben, da ist Liebe und da ist der Heilige Geist am Werk.

Und so schreibt jeder und jede von uns Gottesgeschichte und wir können gemeinsam die Seiten der Bücher füllen. Komm, Schöpfergeist.

Wenn sich nun die ganze Kirche mit offenen Herzen und Händen dem Wehen und Lieben SEINES Geistes aussetzt, dann sind wir mittendrin - aber Jesu Blick ist so original einmalig. Wir gehen nicht unter im Meer der Zeugen SEINER Auferstehungsfreude. Du aber, ... folge mir nach!

Du aber, ... - was sagt Jesus mir? Und wie schreibt Gott in mir, durch den Heiligen Geist SEIN Leben weiter? Wie unglaublich ist es, dass auch ich Teil des Buches der Bücher sein könnte? Fangen wir doch noch heute an es mitzuschreiben.

Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer Deiner Liebe!


Aus dem Evangelium nach Johannes

In jener Zeit sprach Jesus zu Simon Petrus: Folge mir!

20Petrus wandte sich um und sah, wie der Jünger, den Jesus liebte, diesem folgte. Es war der Jünger, der sich bei jenem Mahl an die Brust Jesu gelehnt und ihn gefragt hatte: Herr, wer ist es, der dich verraten wird?

21Als Petrus diesen Jünger sah, fragte er Jesus: Herr, was wird denn mit ihm?

22Jesus antwortete ihm: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an? Du aber folge mir nach!

23Da verbreitete sich unter den Brüdern die Meinung: Jener Jünger stirbt nicht. Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?

24Dieser Jünger ist es, der all das bezeugt und der es aufgeschrieben hat; und wir wissen, dass sein Zeugnis wahr ist.

25Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

Von Anbeginn der Welt bildet er als Gott den Lebensquell für die gerechten Seelen. […] Er wirkt in uns unser ganzes Leben lang. […] Er hat in sich selber begonnen und setzt nun in seinen Heiligen sein Leben fort, das kein Ende nimmt. […] Ist es nicht jedermanns Sache, zu verstehen, was sich über das zeitliche Leben Jesu niederschreiben lässt, über seine irdischen Werke und Worte, enthält das Evangelium nur flüchtige Züge davon, bleibt also die erste Stunde so unbekannt und fruchtbar: wie viele Evangelien müssten erst geschrieben werden, wollte man die Geschichte aller Augenblicke des fortdauernden, geheimnisvollen Lebens Jesu festhalten! Darin kennen seine Wundertaten keine Grenzen; unaufhörlich nehmen sie zu, sind doch alle Zeiten zutiefst nichts anderes als die Geschichte des göttlichen Wirkens. Der Heilige Geist hat mit unfehlbaren und unumstößlichen Lettern einige Augenblicke dieser gewaltigen Zeitspanne niederschreiben lassen. Er hat in der Schrift einige Tropfen aus diesem Meere gesammelt. Wir sehen darin, auf welch geheimnisvollen und unbekannten Wegen er Jesus Christus in die Welt kommen ließ. […]

Die Geschichte des göttlichen Wirkens, die das ganze Leben umfasst, das Jesus in den heiligen Seelen bis zum Ende der Zeiten führt, kann also nur durch unsern Glauben erfasst werden. […] Der Heilige Geist setzt das Werk des Erlösers fort. Während er der Kirche beisteht, das Evangelium Jesu Christi zu predigen, schreibt er selber ein eigenes Evangelium. Er schreibt es in den Herzen. Alle Handlungen, alle Augenblicke der Heiligen bilden dieses Evangelium des Heiligen Geistes. Die heiligen Seelen sind das Papier, ihre Leiden und Taten dienen als Tinte. Mit der Feder seines Wirkens schreibt der Heilige Geist dieses lebendige Evangelium. Doch erst am Tage der Glorie wird man es lesen können, dann, wenn es aus der Presse dieses Lebens hervorgehen und veröffentlicht wird.

Welch wunderbares Geschichtswerk! Ein herrliches Buch verfasst gegenwärtig der Heilige Geist! Es ist im Druck, heilige Seelen. Kein Tag vergeht, ohne dass nicht Buchstaben gesetzt werden, Druckerschwärze gebraucht wird und Blätter ausgefüllt werden. Doch wir befinden uns in der Nacht des Glaubens. Das Papier übertrifft an Dunkelheit die Druckerschwärze. […] Eine Sprache aus einer andern Welt wird da gesprochen; man versteht nichts davon. Erst im Himmel werdet ihr dieses Evangelium lesen können.

Aus einer Schrift des Jesuiten Jean-Pierre de Caussade (1675-1751)