lectio

8. Tag der Pfingstnovene

18. Mai | Joh 21,1.15-19

Bete in uns, du heiliger Geist,

nicht nur in Worten,

sondern in unserem ganzen Mensch-Sein.

Hilf uns, dein Wort zu hören und davon "begeistert" zu sein.


Denke in uns, du heiliger Geist,

wenn Unsicherheit und Fragen und bedrängen.

Brich unsere Gedanken auf,

dass wir in Frieden und Gerechtigkeit

miteinander leben können.


Komm, du heiliger Geist, und bleibe bei uns.

Du begleitest uns auf dem gemeinsamen Weg zum Vater.

Amen.


Pfingsten fällt nicht einfach so vom Himmel

Heute legt uns die Kirche dieses wunderbare Evangelium von der dreimaligen Liebesbekundung des Petrus vor. Chronologisch springen wir etwas. Die letzten drei Tage haben wir das Hohepriesterlicher Gebet gelesen, so wie dieses Gebet Jesu heißt, das er in den letzten Stunden seines irdischen Lebens gebetet hat. Nun sind wir in der Zeit nach der Auferstehung. Und man kann sich fragen... was will uns Jesus in seinem Wort heute wenige Tage vor Pfingsten mit auf den Weg geben?

Was da an Pfingsten geschieht, diese 'Begeisterung', die ganz und gar den Menschen ergreifen und von innen her verwandeln kann, fällt nicht einfach so vom Himmel. Gott sendet seinen Geist nicht einfach unvorbereitet. Gott war bereits einen Weg mit den Jüngern gegangen. Gott ist auch mit uns schon einen Weg gegangen.

ER hatte sie berufen, herausgerufen aus dem weltlichen Kontext, Jesus hat ihren Alltag geteilt und war mit ihnen zusammen, er redete ihnen zu Herzen, räumte Zweifel aus, hat ihnen Verantwortung aufgetragen und sie gesendet. Hat sie sozusagen frei gelassen, ihnen dann auch Schuld vergeben. In all diesen Begegnungen ist viel geschehen, und wir kennen es von uns selbst. Vieles, was uns bewegt, was uns anrührt geschieht oftmals im Verborgenen, im Stillen. Und so tragen die Jünger alle diese Stille vor dem Sturm in ihrem Herzen. Der Sturm des Kreuzes, des Todes hat sich nun mit den Tagen und den neuen Begegnungen mit Jesus nach seinem Tod etwas gelegt. Die Oberflächenspannung ist eine Andere.

Aber diese Worte lassen uns all dies nun an der Person und Geschichte des Petrus ablesen.

Erinnern wir uns - Petrus könnte an diesem Morgen so eine Art Déjà-vu-Erlebnis gehabt haben. Seine Berufung am See von Tiberias, war ganz ähnlich gewesen. Nachdem sie eine Nacht nicht gefischt hatten... steht Jesus am Ufer und sagt, werft die Netze auf der anderen Seite aus. Darauf hin glaubte Petrus und bekannte: "geh weg von mir, ich bin ein Sünder!" (Lk 5, 1-11) Ähnlich war es nun wenige Momente vor dieser Begegnung des heutigen Evangeliums. Nach dem Tod Jesu, wieder zurückgekehrt an den See, als wenn die Zeit dazwischen nicht gewesen wäre - "Ich gehe fischen!" fangen sie wieder nichts... und Jesus tritt in sein Leben - dieses Mal aber um mit Petrus dieses ein uns alles verändernde Gespräch zu führen. Ein im wahrsten Sinne Lebens-entscheidendes Gespräch, ein Beziehungskistengespräch.

Petrus, der in der Gruppe der 12 wohl immer an forderster Front stand, hatte sich in der entscheidenden Stunde, wie alle aufs hinterste Pöstchen verkrochen. "Ich kenne ihn nicht!" Die Erfahrung der Verleugnung, der innere Freundschafts-verrat...

Selten schaut man so auf die Lebensgeschichte... aber was muss diese Erfahrung dem Petrus nachher in den Knochen gesteckt haben. Und Jesus kommt nun und lässt ihn die Erfahrung der Vergebung machen. Jesus kommt auf ihn zu und rührt gleich an den wunden Punkt. Verratene Liebe und Freundschaftspreisgabe - Jesus redet ihn an... mit seinem Namen, Simon, Sohn des Johannes... Er ist nicht mehr der Fels... Jesus schaut ihn an und auf diesen Blick hin, ist Vergebung möglich, auf diesen Blick hin ist die Liebe wieder möglich. Schlechtes Gewissen, Schuld und das was in einer Beziehung eben dazwischen stehen kann, was verletzt und zerbrochen ist... kann wieder aufleben, fließen und lieben.

Die Liebe macht Vergebung möglich und ebenso macht Vergebung Liebe möglich. Petrus lässt sich wandeln... überall dort ist Gottes Geist schon am Werk... aber an Pfingsten dann ist sein Herz frei, bereit und offen... dann geschieht es... Gottes Liebe brennt sich in IHN ein und er wird zum beflügelten Apostel der wie von Feuer redet... das kann man in der Apostelgeschichte lesen, nach dem Pfingstfest. (Apg 2,14-36)

So sind wir heute eingeladen, selbst still zu werden und unsere Begegnungen mit IHM anzuschauen... uns selbst von IHM auf Pfingsten vorbereiten zu lassen. Uns mit und in all den Herzensbegegnungen mit IHM - auch über und durch diese Zeit des OSTERWEGES hindurch - noch einmal 'auf'-zu-machen. Im gewissen Sinne ins Obergemach meines Herzens einzutreten... Der Geist ist uns verheißen... und ER wird vom Himmel fallen!

Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer Deiner Liebe!


Aus dem Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 1offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias, und er offenbarte sich in folgender Weise.

15Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe.

Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

16Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

17Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

18Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.

19Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach!


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

„Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“

Der Herr fragt etwas, was er schon weiß.

Er fragt es nicht nur einmal, sondern ein zweites und ein drittes Mal:

ob Petrus ihn liebt.

Nichts will der Herr so oft von Petrus hören, als dass er von ihm geliebt werde,

nichts legt er ihm so oft ans Herz, als dass er seine Schafe weiden soll.

Der dreimaligen Leugnung entspricht das dreimalige Bekenntnis.

Die Zunge soll der Liebe nicht weniger dienen als der Furcht,

und der drohende Tod soll die Stimme nicht stärker bewegen als die Gegenwart des Lebens.

Aufgabe der Liebe soll es sein, die Herde des Herrn zu weiden,

nachdem die Verleugnung das Zeichen der Furcht war.

Wer glaubt, er könne die Schafe Christi weiden, als seien sie seine eigenen Schafe,

der zeigt unwiderleglich, dass er nicht Christus liebt, sondern sich selbst.

Über die klagt der Apostel, dass sie „ihren eigenen Vorteil suchen,

nicht die Sache Christi Jesu.“ Gegen sie richtet sich die Wachsamkeit Christi,

wenn er so oft und so eindringlich fragt.

Aus einer Predigt des Hl. Augustinus, 4. Jahrhundert