lectio

6. Tag der Pfingstnovene

16. Mai | Joh 17,6a.11b-19

Komm Heiliger Geist,

gib, dass wir durch dich den Vater entdecken und dass wir auch den Sohn erkennen;

an dich, den gemeinsamen Geist beider lass uns allezeit glauben.

In der Welt - nicht von der Welt

"Wir tragen eines Menschen Namen, von dem wir sagen, er war Gottes Sohn. Der uns gezeigt hat, wieviel Liebe Gott in den Menschen säte, in Adam schon. Der uns seine Liebe gab zu leben, der uns rief ihm nachzugehn, dass wir lernen Gott im Menschen zu lieben, bis wir Ihn einst wiedersehn." (Text von einem Lied von Gregor Linßen)

In der Taufe haben wir einen Namen angenommen. Wir sind Christen geworden, wir sind herausgerufen worden, wir sind ausgesondert worden - aus der Welt hinein ins ewige Leben, das uns HIER und HEUTE geschenkt ist; aus der Welt - aus allein weltlichen Beziehungen, hinein in die Beziehung zu Gott.

„Glaube fest, dass die Liebe Gottes durch den Heiligen Geist, der dir geschenkt wurde, in dein Herz ausgegossen ist: so bist du nicht mehr Sklave, sondern Kind, Kind und damit Erbe Gottes, Erbe aller Verheißungen seiner göttlichen Herrlichkeit. Wenn du betest, bete im Heiligen Geist.“ (Lebensbuch von Jerusalem)

Der Name, von dem Jesus hier spricht meint genau dieses Wesen: ER ist Vater und Jesus hat uns mit seinem ganzen Leben dieses Vater sein Gottes für uns kennenlernen lassen.

Und damit - sind wir eben nicht mehr Sklaven -unfrei, abhängig, vom Geist der Welt, allein auf Irdisches gerichtet- sondern Kind Gottes IN der Welt. Wir brauchen uns nicht abzutrennen vom Leben der Welt, vielmehr schenkt Gott uns im Heiligen Geist immer mehr zu verstehen, zu sehen lernen, was das Lebendige ist. Das ist der Geist der Wahrheit. ER selbst ist die Quelle der Wahrheit. Wir meinen ja oft, wir hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen - aber nein ... Gott ist unfassbar. Und diese göttliche Wahrheit übersteigt uns immer. Sie nimmt uns nach und nach mit, den rechten Blick auf uns selbst, auf die Welt und Gesellschaft wiederzufinden.

Wieder betet Jesus hier für uns - "Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass Du sie vor dem Bösen bewahrst."

Das hat eine unglaubliche Dichte!

Komm, Heiliger Geist, entzünde in uns das Feuer Deiner Liebe!


Aus dem Evangelium nach Johannes

In jener Zeit erhob Jesus seine Augen zum Himmel und betete:

6aVater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

11bHeiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

12Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast.

Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.

13Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

14Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.

15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.

16Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.

17Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

18Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.

19Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

Jede Liebe hat ihre eigene Kraft,

und die Liebe kann im Herzen der Liebenden nicht ohne Wirkung bleiben,

sondern übernimmt notwendig die Führung.

Willst du die Art der Liebe erkennen, sieh zu, wohin sie führt.

Wir ermahnen euch nicht, nicht zu lieben, sondern wir ermahnen euch,

nicht die Welt zu lieben, damit ihr in Freiheit den lieben könnt, der die Welt erschaffen hat.

Durch die irdische Liebe ist das Herz gebunden.

Es hat gleichsam Vogel-Leim an den Flügeln und kann nicht fliegen.

Ist es aber von trüber weltlicher Liebe gereinigt,

dann spannt es die Flügel aus, seine Fittiche sind frei von Behinderung, und es fliegt,

getragen von den beiden Geboten der Gottes- und Nächstenliebe.

Aus einer Predigt des Hl. Augustinus, 4. Jahrhundert