lectio

5. Tag der Pfingstnovene

15. Mai | Joh 17,1-11

Komm Heiliger Geist,

Halte den Feind von uns fern, schenke uns bald den Frieden. Mit dir als vorausgehendem Führer werden wir jedes Übel vermeiden.

ERkennen - IHM gehören - frei sein

Mit diesen Worten des Evangeliums in den letzten Tagen vor Pfingsten, erleben wir einmal mehr, WIE Jesus betet.

Ein unheimlich dichter Moment: Jesus wendet sich ein letztes Mal vor seinem Tod im Gebet an den Vater. Und dann, betet er für seine Jüngerinnen und Jünger, die sein Wort angenommen haben. "Für sie bitte ich; ... denn sie gehören dir. Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht." Jesus betet hier nicht nur für die Jünger und Jüngerinnen von damals... wir hören diese Worte in diesen Tagen, um uns neu zusagen zu lassen, dass Jesus hier für uns betet. Was ist das für eine geniale Vorstellung - und es ist nicht nur eine Vorstellung oder ein schönes Sich-zu-reden, es ist REALITÄT: Jesus betet für Dich - für mich, JETZT!

Und vielleicht liest Du diese Zeilen des Gebets Jesu nun mit ganz neuen Herzensohren. "Du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben." Ja - Jesus hat Macht über mich. Will ich das? Was passiert da?

Aber es ist so eine andere Macht, als die Macht der Mächtigen. Es ist die Macht der Liebe und des Lebens... 'exousia' steht da im Griechischen... und das heißt erstmal: die Freiheit, das Recht zu handeln, zu verfügen, zu bestimmen, wie man will. Daraus wird dann an den verschiedenen Stellen: Vollmacht, Autorität, Gewalt, Macht... - Da steckt also Gott hinter. Jesus redete wie einer der Vollmacht hat... auch da merkten die Pharisäer, das ist mehr, das kommt nicht nur von einem Menschen. Hier will also gesagt sein: es ist Gott, der Vater, der die Autorität hat. Und wir - die junge Generation, die vielleicht immer wieder im Generationsunterschied merkt, dass wir es mit der Autorität nicht so leicht haben, oder uns mit eingefahrenen Hierarchien, sei es in Familie, Beruf oder Kirche, nicht so leicht tun... also, wir können uns vielleicht fragen: Wie stehts mit der Autorität in meinem Leben?

Wie steht´s mit der Autorität Gottes in meinem Leben? Hat ER mir etwas zu sagen? oder anders ausgedrückt, sehne ich mich nach der Führung Gottes? Brauche ich IHN? und wofür? Jesus sagt, damit ER uns ewiges Leben schenkt. Dieses ewige Leben... was ist das? Und, kommt das erst nach dem Tod, oder spür ich da heute schon etwas von?

Jesus sagt es uns selbst: "Das ist das ewige Leben: dich den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast."

Überall, wo in der Bibel 'erkennen' steht, könnte man das 'erkennen' durch 'zutiefst, oder innig lieben' ersetzen.

Gott als den einzig wahren Gott in meinem Leben zu erkennen, IHN liebend in mein Leben einlassen und Jesus Christus darin immer tiefer kennenzulernen.

Paulus sagt an einer Stelle: "Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet." (1 Kor 12,3)

SO also sind wir in diesen Tagen vor Pfingsten unterwegs: Wir brauchen den Heiligen Geist, um Gott als Gott in unserem Leben einen Platz zu geben. Wir brauchen den Heiligen Geist, der uns von innen her anrührt und die Liebe des Vaters erkennen lässt, um IHM Tor und Tür unseres Lebens zu öffnen.

Hier betet Jesus für uns, dass wir in dieses ERkennen hineinwachsen und uns IHM öffnen. Das Pfingstfest ist die Erfüllung aller Gebete und Bitten Jesu für uns. Im Heiligen Geist wird all das Wirklichkeit, wofür Jesus Christus gebetet hat. Der Heilige Geist ist die wirksame und spürbare Liebe Gottes in unserer Welt. Er ist Tröster, Kraft und Stärke, der Ratgeber und Begleiter, unsere Kreativität und Phantasie, unsere Energie und unsere Verbindung zur Herrlichkeit Gottes. Die Bilder, die wir für ihn haben, bringen das symbolisch, verständlich und wirkungsvoll zum Ausdruck: Sturm, Feuer, Taube, Wehen, Atem …

Der heilige Franz von Sales hat einst empfohlen, bei allem was wir tun, und so oft wie möglich, uns die Gegenwart Gottes, in der wir leben, bewusst zu machen. Das ist nichts anderes als der Hinweis auf den Heiligen Geist, der da ist, wie die Luft, die wir atmen, wie das Licht, das den Raum erhellt, der Herzschlag, der unseren Körper mit Blut und Sauerstoff versorgt … all das geschieht wie selbstverständlich, beinahe unsichtbar, bewusst wird es uns erst, wenn wir es uns bewusst machen.

Ebenso hat der heilige Franz von Sales einmal gesagt: „Die Freiheit ist der kostbarste Teil des Menschen, das Leben unseres Herzens.“ (DASal 9,362) Er war immer voll und ganz davon überzeugt, dass Gott den Menschen zu nichts zwingt. „Gott zieht uns nicht an sich wie Stiere und Büffel“, schreibt er einmal, „Gott wirbt um uns, er lockt uns liebevoll durch zarte und heilige Einsprechungen“ (DASal 3,129). Genau dieses Werben, diese liebevollen Lockungen, geschehen durch das Wirken des Heiligen Geistes und es liegt an uns und unserer Freiheit, diese Lockungen Gottes anzunehmen, zu Gott und seiner Botschaft vom Leben, das unendlich froh macht, Ja zu sagen.

So lade ich Euch ein, liebe Weggefährten, gebt IHM Raum, lasst IHN wehen, und lasst Euch locken. Habt keine Angst, ER nimmt uns nix- ER gibt uns ALLES!

Komm, Heiliger Geist!


Aus dem Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 1erhob Jesus seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.

2Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

3Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.

4Ich habe dich auf der Erde verherrlicht und das Werk zu Ende geführt, das du mir aufgetragen hast.

5Vater, verherrliche du mich jetzt bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, bevor die Welt war.

6Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

Sie gehörten dir, und du hast sie mir gegeben, und sie haben an deinem Wort festgehalten.

7Sie haben jetzt erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.

8Denn die Worte, die du mir gegeben hast, gab ich ihnen, und sie haben sie angenommen.

Sie haben wirklich erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie sind zu dem Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

9Für sie bitte ich; nicht für die Welt bitte ich, sondern für alle, die du mir gegeben hast; denn sie gehören dir.

10Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, ist mein; in ihnen bin ich verherrlicht.

11aIch bin nicht mehr in der Welt, aber sie sind in der Welt, und ich gehe zu dir.


Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

Der Geist bereitet den Menschen für den Sohn Gottes vor, der Sohn führt ihn zum Vater,

und der Vater verleiht die Unvergänglichkeit zum ewigen Leben.

Jeder einzelne gewinnt das ewige Leben dadurch, dass er Gott schaut.

Denn wer das Licht sieht, ist selbst im Licht und hat an seinem Glanz teil.

So ist, wer Gott schaut, in Gott und hat an seinem Glanz teil.

Der Glanz Gottes aber macht lebendig. Wer Gott schaut, empfängt Leben.

Und deswegen macht sich der Ungreifbare, Unfassbare und Unsichtbare für die Gläubigen sichtbar, fassbar und greifbar, damit er denen Leben gibt,

die ihn durch den Glauben greifen und sehen.

Aus einer Schrift des Hl. Irenäus von Lyon, 2. Jahrhundert