lectio

4. Sonntag der Osterzeit

22. April | Joh 10,11-18

Aus dem Evangelium nach Johannes

11Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.

12Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, lässt die Schafe im Stich und flieht, wenn er den Wolf kommen sieht; und der Wolf reißt sie und jagt sie auseinander. Er flieht,

13weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.

14Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,

15wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.

16Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen, und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.

17Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.

18Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

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„Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.“ Pilatus hat diesen Hirten gesehen, die Juden haben ihn gesehen, wie er für seine Schafe ans Kreuz geführt wurde, so wie dies der Chor der Propheten sehr lange vor der Passion angekündigt hatte: „Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt“ (Jes 53,7). Er weigert sich nicht, sein Leben hinzugeben und verurteilt zu werden, er wehrt diejenigen nicht ab, die ihn kreuzigen.


Er hat die Passion nicht erleiden müssen, er hat sie um seiner Schafe willen gewollt. „Ich habe Macht, es [mein Leben] hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen.“ Er vernichtet das Leiden durch das Leiden in seiner Passion, den Tod durch seinen Tod. Mit seinem Grab öffnet er die Gräber. Er entriegelt das Reich des Todes, er sprengt die Riegel. Die Gräber sind versiegelt und das Gefängnis verriegelt, solange der gute Hirte nicht in das Totenreich hinabsteigt, um jenen Schafen die Befreiung zu verkünden, die dort schlafen (vgl. 1 Petr 3,19). Man erblickt ihn im Reich des Todes: Er gibt den Befehl, es zu verlassen, man sieht, wie er dort die Menschen zum Leben wiedererweckt. „Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe“. Auf diese Art und Weise sucht er die Liebe seiner Schafe. Wer Christus liebt, kann seine Stimme vernehmen.

Basileios von Seleukia, Bischof im 5. Jahrhundert