lectio

3. Tag der Pfingstnovene

13. Mai | Joh 17,6a11b-19

Komm Heiliger Geist,

Du, siebenfach in deinen Gaben, Finger der Rechten Gottes, feierliche Verheißung des Vaters, legst uns das Wort in den Mund.

Nicht von dieser Welt

Welt - Um dieses Wort dreht sich das ganze heutige Evangelium, dreht sich das Gebet, das der Herr an seinen Vater richtet. Wir dürfen Teilnehmer sein an der intimen Beziehung zwischen Vater und Sohn, an einem intimen Gespräch des Herrn zu Gott. Und der Zeitpunkt dafür könnte nicht intimer sein. Es sind Worte, die der Herr kurz vor seiner Verhaftung an seinen Vater wendet, Worte im Angesicht des Todes. Nun könnte man meinen, Jesus würde wie in anderen Evangelien mit dem Vater ringen, würde mit Ihm über sein baldiges Ende sprechen. Doch davon ist hier, im sogenannten "hohepriesterlichen Gebet", kein Wort zu hören. Nein, der Herr bittet stellvertretend für die, die der Vater ihm gegeben hat, damit er sie bewahre, bewahre in der Einheit, bewahre vor dem Bösen, bewahre vor der falschen Wahrheit. Jesus bittet letztlich in diesem Moment für alle, die ihm einmal folgen werden, die im Wasser der Taufe und im Heilgen Geist neu geboren werden und so nicht mehr von dieser Welt sind, sondern schon dem Geiste nach in die kommende Welt eingefügt sind.

Liebe Weggefährten,

der Herr hat in diesem Gebet schon für uns darum gebetet, dass wir IHM treu bleiben. Durch die Taufe auf seinen Namen sind wir schon aus der irdischen Welt herausgenommen und eingefügt in sein Reich, in die neue Welt, sind IHM gleich gestaltet worden auf seinen Tod und seine Auferstehung hin. Unser Geist hat im Hier und Jetzt schon Anteil an der Kraft seiner Auferstehung, durch die wir uns dem Bösen widersetzten können. Doch dies heißt nicht, dass wir nicht unsere Gotteskindschaft verlieren können. Der Herr hat es durch Judas selbst erfahren, der Herr bittet schon im voraus den Vater darum, dass er uns vor dem Bösen bewahrt. Nein, der Herr ist ein Realist und so sorgt er sich um uns bis zum Schluss.

Doch wie können wir dem Herrn treu bleiben, wie können wir auf seinen Wegen gehen, in der Wahrheit bleiben. Der Herr sagt es selbst: "dein Wort ist Wahrheit". Jesus selbst ist die Wahrheit, denn er ist das fleischgewordenen Wort des Vaters, ist es, der das väterliche Wort der Wahrheit verkündet. Durch Jesus selbst und durch sein Wort können wir in der Wahrheit bleiben - können darin bleiben, wenn wir sein Wort, ja den Herrn selbst immer wieder betrachten.

Und ein zweites: Wir stehen in der Pfingstnovene und so dürfen wir den Herrn in besonderer Weise darum bitten, dass er uns den Heiligen Geist senden möge, damit er uns in die ganze Wahrheit führe und uns auf seinen Wegen führe, Wege, die nicht Wege des Bösen sind, sondern Wege des Herrn.

So können wir auf dieser Erde in seinem Geist, in seinem Wort leben und der Welt von einer Welt Zeugnis geben, die uns das Tor zum Himmel öffnet, zur Hoffnung und einem Leben, das nie vergeht. Das heißt jedoch nicht, dass wir hier auf Erden weltvergessen sein sollen. Das überhaupt nicht. Aber indem wir wissen, wo unsere wirkliche Heimat ist, können wir frei von allem uns allen hingeben und ihnen schon ein wenig von der Welt aufleuchten lassen, nach der wir uns so sehr sehnen. Christen sind keine Weltflüchtlinge, sondern Menschen, die mit beiden Beinen auf der Erde stehen und doch schon eine Sehnsucht nach DEM in ihren Herzen haben, der sie in Ewigkeit liebt und dessen Worte keine leeren Worte sind, sondern Worte der Ewigkeit.

Komm Heiliger Geist,

Du, siebenfach in deinen Gaben, Finger der Rechten Gottes, feierliche Verheißung des Vaters, legst uns das Wort in den Mund.

Aus dem Evangelium nach Johannes

6aVater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast.

11bHeiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, damit sie eins sind wie wir.

12Solange ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast. Und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ging verloren, außer dem Sohn des Verderbens, damit sich die Schrift erfüllt.

13Aber jetzt gehe ich zu dir. Doch dies rede ich noch in der Welt, damit sie meine Freude in Fülle in sich haben.

14Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.

15Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.

16Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin.

17Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit.

18Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.

19Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.

Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

„Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“

Beginnt schon jetzt, in dieser heiligen Osterzeit, eure Auferstehung mit Christus. Seht, wie er euch die Hand reicht! Er ist auferstanden; aufersteht mit ihm! Kommt aus dem Grab des alten Adam heraus, lasst ab von euren Vorwänden, dem Neid, den Sorgen, den Ambitionen der Welt, der Sklaverei der Gewohnheit, den Umtrieben der Leidenschaften, den Verlockungen des Fleisches, dem erstarrten Geist, der am Boden liegt und kleinlich aufrechnen will, der Leichtfertigkeit, dem Egoismus, der Verweichlichung, der Eitelkeit und der Großspurigkeit. Strengt euch nunmehr an, das zu tun, was euch schwierig erscheint, doch was nicht vernachlässigt werden sollte und darf: Wacht, betet und betrachtet [...]


Zeigt, dass euer Herz, euer Verlangen und euer ganzes Leben bei eurem Gott verankert sind. Haltet an jedem Tag ein wenig Zeit frei, um ihm zu begegnen [...] Ich fordere nicht von euch, die Welt zu verlassen, auch nicht eure Pflichten auf dieser Erde, doch bitte ich euch, wieder Besitz von eurer Zeit zu nehmen. Verschleudert nicht ganze Stunden an Vergnügungen oder an ein Leben in der feinen Gesellschaft, wo ihr für Christus nur wenige Augenblicke erübrigt. Betet nicht nur, wenn euch die Ermüdung überwältigen will und ihr bald einschlaft. Vergesst nicht, ihn zu loben oder für die Welt und die Kirche einzutreten. Lebt nach den Worten der Heiligen Schriften: „Sucht nach dem, was im Himmel ist.“ Zeigt, dass ihr zu Christus gehört, denn euer Herz „ist mit ihm auferweckt worden“ und „euer Leben ist in ihm verborgen“ (vgl. Kol 3,1-3).

Sel. John Henry Newman (1801-1890),

Theologe und Kardinal, Gründer der Oratorianergemeinschaft in England