lectio

2. Sonntag der Osterzeit

8. April | Joh 20,19-31

Aus dem Evangelium nach Johannes

19Am Abend des ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen hatten, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

20Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.

21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

22Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

23Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

24Thomas, genannt Didymus - Zwilling -, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

25Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht die Male der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.

26Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt, und Thomas war dabei. Die Türen waren verschlossen. Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch!

27Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger aus - hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

28Thomas antwortete ihm: Mein Herr und mein Gott!

29Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

30Noch viele andere Zeichen, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind, hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan.

31Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen.

Zum Weitergehen mit den KIRCHENVÄTERN

War Thomas nicht ein Mensch, einer der Jünger, sozusagen einer aus der Menge?

Seine Brüder sagten ihm: „Wir haben den Herrn gesehen.“

Er hingegen sagte: „Wenn ich nicht berühre,

wenn ich nicht meine Finger in seine Seite lege, glaube ich nicht.“

Die Evangelisten bringen dir die Neuigkeit und du glaubst nicht?

Die Welt hat geglaubt und ein Jünger hat nicht geglaubt? ...

Er war noch nicht angebrochen, dieser Tag, den der Herr gemacht hat;

die Finsternis lag noch über dem Abgrund,

in den Tiefen des menschlichen Herzens, das finster war.

Es soll doch also endlich kommen, der die Morgenröte ist,

er, der heilt, soll kommen und voller Geduld, voller Sanftmut und ohne Zorn sagen:

„Komm. Komm, berühre sie und glaube. Du hast gesagt:

‚Wenn ich nicht berühre, wenn ich nicht meinen Finger hineinlege, dann glaube ich nicht.' Komm also, berühre, lege deinen Finger hinein und sei nicht ungläubig, sondern gläubig.

Ich wusste um deine Verwundungen und habe für dich meine Narbe behalten.“

Indem er seine Hand hineinführt, kann der Jünger seinen Glauben zur Fülle bringen.

Hl. Augustinus im 5. Jahrhundert